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Feldtage 2020

Im August 2020 ging unser Bingo-Insekten Projekt in die zweite Runde. Wie im letzten Jahr untersuchten wir an drei Tagen drei verschiedenen Stillgewässern in Stadt, Park und Naturschutzgebiet. Dabei nahmen wir die Gewässerchemie, die Gewässerstruktur und das Makrozoobenthos, also die Teichinsekten, genauer unter die Lupe. Wenn ihr wissen wollt, was wir in diesem Jahr gesehen und erlebt haben, was bei unserer Untersuchung herausgekommen ist und in welchem Zustand sich unsere Teiche befinden, dann lest hier weiter oder schaut auf Instagram und unserem YouTube Kanal vorbei.

Tag 1 – Stadt 🏭

Am ersten Tag sind wir an den Teichen im Bremer Statdteil Osterholz-Tenever. Die Klasse 10.1 untersucht, wie im letzten Jahr, den Teich neben der Autobahn. Dieser ist ziemlich zugewuchert mit Brennnessel, Brombeeren, Birken und Weidengebüsch. Durch zwei Rohre gelangt Wasser aus dem angrenzenden Bultenfleet in den Teich. An den Randbereichen verlandet der Teich nach und nach. Dort liegt besonders viel Müll. Schön sieht der Teich nicht aus, das Wasser ist dreckig und stinkt. Ob sich hier Teichinsekten überhaupt wohl fühlen 😕? Aber Eins nach dem Anderen. Zuerst die Chemie. Erstaunlicherweise liegen fast alle Werte im Normalbereich, bis auf Sauerstoff und Gesamthärte. Bei der Härte ist der Wert evtl. auf die Bodenbeschaffenheit zurückzuführen und nicht ganz so schlimm, aber Sauerstoff ist nun mal das was alle Lebewesen benötigen und 2,11 mg/l ist wirklich nicht viel. Aber dennoch, wir keschern insgesamt 11 verschiedene Arten. Gar nicht so schlecht für einen Stadtteich! besonders Wasserasseln, Schlammröhrenwürmer und Kleinlibellenlarven fühlen sich hier wohl. Sind das vielleicht Arten die mit Sauerstoffmangel besonders gut umgehen können? Alle Fragen schreiben wir auf, damit wir uns in der Schule, wenn die Daten ausgewertet sind nochmal dazu austauschen können.

Die Klasse 10.2 untersucht einen Teich, direkt an der Walliser Straße inmitten des Siedlungsgebiets. Hier liegt überall Müll, trotz des neuen Mülleimers 😤. Auch der Autoreifen aus dem letzten Jahr liegt noch im Wasser, genauso wie ein morscher Baum, an dem sich zahlreiche Enten und Teichhühner tummeln. Große Schilfflächen gibt es hier nicht. Hauptsächlich wachsen hier Bäume und Büsche. Das Wasser ist grau und insgesamt wirkt der Teich nicht besonders einladend. Bei der chemischen Analyse sind nur der niedrige Sauerstoffgehalt 2,12 mg/l und die Gesamthärte von 3 °dh auffällig. Aber auch in diesem Gewässer scheinen einige Teichinsekten, insgesamt waren es 10 Arten, kein Problem mit dem wenigen Sauerstoff zu haben. Zuckmückenlarven, Kribbelmückenlarven und Wasserflöhe zum Beispiel. Uns beschäftigt auch hier die Frage nach der Härte. Warum ist das Wasser so weich? Vielleicht können wir das im Laufe des Projekts noch herausfinden.

Tag 2 – Park 🌳

Am zweiten Tag sind wir im Park Höpkens Ruh in Oberneuland. Klasse 10.1 untersucht einen relativ kleinen, offenen Teich am Eingang des Parks. Der Teich ist relativ flach. Aufgefallen sind uns die vielen jungen Schilfpflanzen, die im letzten Jahr noch nicht hier waren. Der Teich ist frei zugänglich Spaziergänger und Hunde kommen hier täglich vorbei, Müll gibt es aber kaum. Bei der chemischen Untersuchung entdecken wir nichts Auffälliges. Der Sauerstoffgehalt liegt hier bei 6,68 mg/l, das ist okay. Die Gesamthärte liegt hier allerdings aber auch nur bei 5 °dh. Und wie siehts mit Makrozoobenthos aus? Wir finden insgesamt 13 Arten, also nur ein paar mehr wie im Stadtteich. besonders heraus stechen Wasserasseln (56) und Zuckmückenlarven (6). Die scheinen sich in den, unserer Meinung, nach dreckigen Gewässern wohl zu fühlen. Von Arten wie Tellerschnecke oder Wasserkäfer fanden wir nur einzelne Individuen. Könnte vielleicht daran liegen das der Teich nicht besonders strukturreich ist🤔 ?!

Klasse 10.2 untersucht einen wesentlich größeren Teich, mit einer Insel in der Mitte. Wie ihr auf dem Foto seht ist der Teich dicht bewachsen mit verschiedenen Bäumen und Sträuchern 🌳🌲. Auch im Wasser entdeckt man verschiedene Algen und Wasserpflanzen. Als wir genauer hin schauen entdecken wir die Teichfolie, die uns verrät, dass der Teich künstlich angelegt wurde. Außerdem ist er durch Rohre mit den kleinen Kanälen verbunden, die sich durch den Park ziehen. Müll gibt es hier sehr wenig. Wie an den anderen Teichen sind Sauerstoffgehalt (6,9 mg/l) und Gesamthärte (7,5°dh) recht niedrig, ansonsten ist alles normal. Eigentlich müssten wir hier also richtig viele Teichinsekten fangen, wenn es nach der Struktur und der Chemie geht. Es sind 14 Arten. Spitzenreiter mit 12 Individuen sind die Erbsenmuscheln und die Kleinlibellenlarven mit 9.

Tag 3- Naturschutzgebiet (NSG) 🦆

Am dritten Tag sind wir im Naturschutzgebiet Borgfelder Wümmewiesen unterwegs. Klasse 10.1 ist am gleichen Teich wie im letzten Jahr. Der Teich ist anders als die anderen Teiche, denn erstens liegt im Überflutungsbereich der Wümme und zweitens ist er für Menschen, außer den Landwirt, der die Fläche bewirtschaftet, nicht frei zugänglich. Der Teich konnte sich also unter ganz anderen Voraussetzungen wie die in Stadt und Park entwickeln. Mal sehen, ob es tatsächlich große Unterschiede gibt. Zunächst fällt der Strukturgruppe auf, dass das Gewässer von einem breiten Schilfgürtel umgeben ist, Bäume gibt es dafür gar keine ebenso wie Müll. Der Teich wirkt natürlich und ist dem ersten Eindruck nach ein super Lebensraum für Teichinsekten😍 . Um ans Wasser zu gelangen müssen wir uns durch das dichte Schilf kämpfen. Wir sind erstaunt, auch hier ist der Sauerstoffgehalt total niedrig, nur 3,8 mg/l. Das das Wasser hier ebenfalls total weich ist (6 °dh) erstaunt uns weniger, denn das scheint tatsächlich mit dem hiesigen Boden zusammenzuhängen, wie wir nach etwas Recherche herausgefunden haben. Anders als in einem landwirtschaftlich genutzten Gebiet erwartet sind die Nitrit und Nitratwerte im Normalbereich. Aber klar, im Naturschutzgebiet dürfen keine Pestizide gespritzt und keine Gülle gefahren werden. Artenmäßig gab der Teich auch nicht viel mehr her als die anderen Teiche, insgesamt waren es 13 Arten. Aber insgesamt waren es wesentlich mehr Tiere. Von jeder Art zwischen 2-6. In den anderen Teichen waren es 1-2 Individuen pro Art. Kleinlibellenlarven fühlen sich auch hier scheinbar sehr wohl (18), ebenso wie Ruderwanzen (6) und Ringelwürmer (6). Obwohl z.B. die Strukturen recht einseitig sind, scheint es für unsere Teichinsekten kein schlechter Lebensraum zu sein.

Den Teich der Klasse 10.2 haben Sarah, Katrin und Sophia von NWN für uns untersucht. Auf der Wiese standen Pferde, sodass wir da mit 20 Leuten nicht drauf konnten. Wir haben aber einen anderen Teich untersucht, dazu später mehr. Wie gesagt, stehen auf der Wiese Pferde, die nutzen das Gewässer zum Trinken. Auch die Vegetation rund um den Teich war deutlich runtergefressen. Im letzten Jahr gab es auch hier einen breiten Schilfgürtel. Müll und Bäume gibt es hier ebenfalls nicht, aber auch dieser Teich liegt im Überflutungsbereich der Wümme. Wie relevant das sein kann erzählen wir gleich. Die chemischen Werte sind unspektakulär. Der Sauerstoffgehalt ist ziemlich gut (91 mg/l) und die Gesamthärte wie gewohnt niedrig. Aber dann die Überraschung: Wir finden nur 4 verschiedene Arten Makrozoobenthos. Ruderwanzen, Muscheln, Ringelwürmer und Eintagsfliegenlarven. Wir bekeschern mehrere Stellen in der Hoffnung noch was anderes zu finden. Aber Fehlanzeige. Woran kann das liegen? An den Pferden? Sind sie vielleicht eine so große Störung, dass die Tiere sich hier nicht wohl fühlen? Durch Zufall treffen wir den Landwirt und er hat die Lösung. Durch die winterlichen Überschwemmungen gelangen regelmäßig große Fische in den Teich und die fressen, na klar, Teichinsekten. Mit unseren Untersuchungen können wie also auch nicht alles erklären 😉 Erkenntnis des Tages: Man muss das große Ganze sehen und über den Tellerrand hinausschauen!

Der Fuchsbergweiher 🐸

Der Fuchsbergweiher, den die Klasse 10.2 als Alternative untersucht, ist anders als die anderen Teiche. Er ist erst vor zwei Jahren angelegt worden und deshalb in einem anderen Sukzessionsstadium. Das heißt, dass sich der Teich erst im Anfang seiner Entwicklung befindet. Hier wachsen kaum Pflanzen nur ein paar Binsen und kleine Schilfpflanzen. Wasserpflanzen gibt es nur wenige. Das Wasser ist klar und wir können den hellen, sandigen Boden gut erkennen. Ihr erinnert euch? Die Böden der anderen Teiche waren schwarz und schlammig. Wie wirkt sich das wohl auf unsere Untersuchungen aus? Die erste Überraschung gibt es bei der chemischen Untersuchung. Die Leitfähigkeit ist im Vergleich zu den anderen Teichen ziemlich hoch, über 800 µs/cm. Das liegt zwar im Normalbereich, aber bei den anderen lag der Wert bei ca. 300 µs/cm. Unser Lehrer erklärt uns, dass das an den gelösten Mineralien im Wasser liegen kann. Der Sauerstoffgehalt ist mit 94 % so hoch wie in fast keinem anderen Gewässer. Trotz der wenigen Versteckmöglichkeiten und Strukturen im Teich haben wir 9 verschiedene Arten bestimmen können. Besonders spannend war der Gelbrandkäfer, den wir in keinem anderen Teich gefunden haben. Bei unserem Erkundungsgang entdecken wir hunderte kleine Frösche, die sich rund um den Teich im Gras tummeln. Auch Gänse und Enten sind hier wohl regelmäßig zu Gast, dass verraten die vielen Federn am Ufer. Obwohl der Teich erstmal sehr unspektakulär aussieht, gibt es hier total viel zu entdecken, vielleicht auch weil wir den Teich komplett überblicken und alle Ecken mit der Wathose erkunden können🧐 .

Fragen, Gedanken, Zukunftspläne…

Keschern mit den Naturkindern

Ende Oktober besucht NWN mit dem Naturmobil die Naturkindergruppe der Hans-Wendt-Stiftung auf dem Gelände ihrer Kinder- und Jugend Farm. Ursprünglich sollten wir, die Schüler*innen der GSO die Kinder anleiten und sie mit unserem Wissen bei der Aktion unterstützen. Aus zeitlichen Gründen und wegen der bestehenden Corona Regeln konnte wir leider nicht mitkommen, aber nichts desto trotz fand die Kescheraktion statt. 10 Naturkinder zogen mit NWN Mitarbeiter*innen zum nahegelegenen Teich, der komplett mit Wasserlinsen bewachsen war. Trotz Laub und Schlamm warend die Kinder erfolgreich und kescherten begeistert einen Wasserskorpion, Fisch- und Pferdeegel, Wasserasseln und -milben, Libellen- und Eintagsfliegenlarven sowie zahlreiche Posthornschnecken. In Becherlupen wurden die kleinen Tiere aus nächster Nähe bestaunt und der tag war ein voller Erfolg.

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